Seitenanfang

Schwerhörigkeit

Zu oft in der Disco gewesen?

Schwerhörigkeit ist ein häufiges Problem. Rund 15 Millionen Deutsche hören schlecht oder gar nicht.

Vor allem ältere Menschen sind betroffen, aber auch die Anzahl junger Menschen mit Hörproblemen nimmt leider immer mehr zu, denn sie riskieren oft leichtsinnig ihren Hörsinn, indem sie sich z.B. Disco-Lärm aussetzen.

Wie wichtig das Hören für uns im täglichen Leben ist, wird oft erst klar, wenn es zu spät ist. Da der Hörverlust meist langsam beginnt und erst allmählich schlimmer wird, ist es wichtig, die Probleme frühzeitig zu erkennen und, falls möglich, zu behandeln.

Wie kann man Schwerhörigkeit feststellen?

Um das Gehör zu überprüfen, kann ein Hörtest beim HNO-Arzt oder beim Hörgeräteakustiker durchgeführt werden. Dort erstellt man die so genannte Hörkurve. Über einen Kopfhörer werden Töne unterschiedlicher Frequenzen vorgegeben. Durch Verringern der Lautstärke wird die Lautstärke in dB ermittelt, die gerade noch gehört werden kann. Hieraus kann man den Grad der Schwerhörigkeit ersehen.

Neben dem klassischen Hörtest gibt es die Sprachaudiometrie, die über das Verstehen von Schallereignissen – vor allem von gesprochener Sprache – informieren kann. Kompliziertere Verfahren der objektiven Audiometrie sind die Messung von otoakustischen Emissionen (OAE) sowie die Verfahren BERA (Brainstem Evoked Response Audiometry) und ERA (Electric Response Audiometry).

Wann gilt man als schwerhörig?

Ein Abweichen der Hörfähigkeit vom Normalwert um bis zu 20dB wird noch als Normalhörigkeit bezeichnet. Zwischen 20dB und 40dB Hörverlust spricht man von geringgradiger Schwerhörigkeit. Flüstern oder Papierrascheln kann schon nicht mehr gehört werden.

Von mittelgradiger Schwerhörigkeit spricht man, wenn z.B. Vogelzwitschern oder leise Musik nicht mehr wahrgenommen werden, dies entspricht einem Hörverlust von mindestens 40dB. Kann ein Gesprächspartner (etwa 70dB) nicht mehr gehört werden, liegt eine hochgradige Schwerhörigkeit vor. Der Hörverlust beträgt mehr als 70dB.

Ein Hörverlust über 85dB entspricht einer an Taubheit grenzenden Schwerhörigkeit. Selbst Straßenlärm kann dann nicht mehr wahrgenommen werden. Hört man praktisch nichts mehr, liegt eine Taubheit vor.

Ursachen der Schwerhörigkeit

Schwerhörigkeit betrifft alle Altersgruppen. Kinder können durch Krankheiten wie z.B. Scharlach, Diphtherie, Mumps, Meningitis (Hirnhautentzündung) oder auch Mittelohrentzündungen Schäden am Gehör davon tragen. Mütter, die innerhalb der Schwangerschaft z.B. an Röteln oder Masern erkranken, bringen oft schwerhörige Kinder zur Welt. Auch Sauerstoffmangel während oder nach der Geburt kann Schwerhörigkeit verursachen.

Erkrankungen durch Lärm gehören zu den häufigsten Berufskrankheiten. Und auch immer mehr junge Menschen leiden an lärmbedingten Hörproblemen. Bei längeren Lärmeinwirkungen von über 70dB (laute Musik, Knallgeräusche...) können bleibende Schäden im Innenohr entstehen.

Das allmähliche Nachlassen des Gehörsinns im Laufe des Lebens, die so genannte Altersschwerhörigkeit, ist die häufigste Form der Schwerhörigkeit. Im Alter nimmt die Gefäßversorgung des Innenohrs ab, die Haarzellen werden geschädigt und können die Schallwellen nicht mehr in Nervenimpulse umwandeln. Dadurch gehen vor allem mittlere bis hohe Töne verloren.

Risikofaktoren sind vor allem Bluthochdruck, erhöhte Blutfettwerte, Rauchen, Diabetes und auch Stress. Einige Medikamente können als unerwünschte Wirkung zu Schwerhörigkeit führen, dazu gehören z.B. Aminoglykosid-Antibiotika, Diuretika oder Zytostatika.

Arten der Schwerhörigkeit

Hörstörungen werden nach dem Ort der Schädigung in Schallleitungsschwerhörigkeit (Mittelohr) und Schallempfindungsschwerhörigkeit (Innenohr) eingeteilt. Diese Formen der Schwerhörigkeit können gut mit Hörgeräten, hörverbessernden Operationen oder Implantaten versorgt werden. Liegt das Problem nicht im Ohr selbst, sondern in der Informationsverarbeitung im Gehirn, so spricht man von Schallwahrnehmungsschwerhörigkeit. Hier besteht kaum Aussicht auf Heilung.

Der Hörsturz ist eine plötzliche, meist einseitig eintretende Hörverschlechterung. Manchmal bestehen gleichzeitig Ohrgeräusche oder ein Druckgefühl. Weitere Symptome treten meist nicht auf. Zur Diagnose des Hörsturzes müssen alle anderen Erkrankungen, die mit einer Hörverschlechterung einhergehen, ausgeschlossen werden. Die Therapie besteht in Infusionen mit durchblutungsfördernden Substanzen, ist aber nur bei sofortigem Gang zum Arzt erfolgversprechend. Selten kommt es zur spontanen Rückbildung der Symptome.

Die Otosklerose ist eine Erkrankung, die vor allem bei Frauen zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr auftritt. Durch entzündliche Umbauprozesse des Knochens kommt es zu einer Fixation der Gehörknöchelkette, sie wird unbeweglich. Dadurch wird die Fähigkeit der Schallübertragung eingeschränkt. Dies führt zu einer schubweisen Verschlechterung des Hörvermögens. Durch den Ersatz des Steigbügels kann den Patienten geholfen werden.

Wie kann man vorbeugen?

Um einer Schwerhörigkeit als Folge z.B. einer Ohrentzündung vorzubeugen, sollte man bei jeder Veränderung der Hörwahrnehmung den HNO-Arzt aufsuchen. Nur dieser hat die Möglichkeit, gezielt die Ursache der Hörveränderung zu untersuchen und die richtige Therapie einzuleiten. Ein plötzlicher Hörverlust (Hörsturz) gilt als Notfall und sollte umgehend einem HNO-Arzt vorgestellt werden.

Chronische Schwerhörigkeit ist meist Folge von Lärmbelastung. Entscheidend ist, seine Ohren nicht übermäßigem Lärm auszusetzen. Das gilt sowohl im Arbeitsbereich als auch in der Freizeit.

Während am Arbeitsplatz gesetzliche Bestimmungen dafür sorgen, dass bei einem Lärmpegel von mehr als 85dB Maßnahmen des Hörschutzes getroffen werden müssen, ist das in anderen Bereichen nicht der Fall. Besonders der Freizeitlärm, wie z.B. Diskotheken, Konzerte, Walkman oder Motorräder, wird in seiner gehörschädigenden Wirkung oftmals unterschätzt. Schützen Sie also Ihre Ohren, drehen Sie Musik nicht voll auf und benutzen Sie Ohrstöpsel, wenn Sie sich in sehr lauter Umgebung aufhalten.

Tipps im Umgang mit Schwerhörigen

  • Für die Unterhaltung ein ruhiges Plätzchen suchen
  • Möglichst langsam, deutlich und in kurzen Sätzen sprechen
  • Wichtig ist es, den Gesprächspartner beim Sprechen anzusehen, so kann dieser auch aus der Mimik lesen.
  • Schreien bringt oft nichts, da man beim Schreien eine höhere Stimmlage einnimmt und gerade die höheren Frequenzen oft schlechter gehört werden.
  • Wurde etwas nicht verstanden, möglichst den ganzen Satz und nicht nur einzelne Worte wiederholen