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Osteoporose

Osteoporose: Experten gefragt

Deutschlands Experten sind sich einig: Osteoporose muss ernst genommen werden. Viele haben sich deshalb dieses Themas angenommen und engagieren sich für mehr Aufklärung, Früherkennung und die leitliniengerechte Behandlung von Knochenschwund – damit in Zukunft weniger Menschen unter den schmerzhaften Folgen der Krankheit leiden müssen.

„Osteoporose wird mich schon nicht treffen.“ Das denken viele Deutsche. Dabei sind vor allem Frauen von der Krankheit betroffen: Jede Dritte leidet nach ihrer Menopause unter Osteoporose. Dr. Jutta Semler, 1. Vorsitzende des Kuratoriums Knochengesundheit e.V. und Chefärztin der Abteilung Osteologie am Immanuel Krankenhaus, Akademisches Lehrkrankenhaus der Freien Universität Berlin, rät:

„Jeder sollte sich über die Krankheit informieren und seinen Arzt auf das persönliche Osteoporose-Risiko ansprechen. Denn dann lässt sich das Schlimmste hoffentlich frühzeitig verhindern: schmerzhafte Knochenbrüche, die das Leben drastisch einschränken. Deshalb sehe ich meine Aufgabe auch darin, die Menschen umfassend über die Krankheit, eine knochengesunde Lebensweise sowie über wissenschaftlich gesicherte und rechtzeitige Therapien zu informieren.“

Osteoporose-Behandlung: Schlusslicht Deutschland

„Die Wahrscheinlichkeit, an Osteoporose zu sterben, ist ähnlich hoch wie bei Herz-Kreislauferkrankungen“, erklärt Prof. Dr. Dieter Felsenberg, Leiter und Gründer des Zentrums für Muskel- und Knochenforschung an der Charité - Campus Benjamin Franklin der Freien Universität und Humboldt-Universität zu Berlin.

Vor diesem Hintergrund ist es besonders dramatisch, dass Betroffene in Deutschland nicht ausreichend behandelt werden. „Nur etwa die Hälfte der vier bis fünf Millionen Betroffenen sind diagnostiziert. Wird die Krankheit schließlich entdeckt, bekommt nur ein Fünftel aller Osteoporose-Patienten eine wirksame und leitliniengerechte Therapie. Wir liegen bei der Osteoporose-Behandlung in Europa auf dem letzten Platz! Wenn diese Tatsache weiter ignoriert wird, erlebt Deutschland buchstäblich eine Osteoporose-Bruchlandung! Denn die Behandlung einer Oberschenkelhalsfraktur kostet 15.000 Euro (ohne Arzt und Medikamentenkosten), die medikamentöse Behandlung mit Standard-Therapien wie beispielsweise mit Bisphosphonaten dagegen nur circa 500 Euro pro Jahr. Betroffene müssen effektiv behandelt werden – zum Wohle der Patienten und zum Wohle der Volkswirtschaft“, so Felsenberg.

Erst kommt der Knochenbruch, dann die Versorgung

Mit dem bundesweiten Frakturregister liegen erstmalig Daten vor, die die dramatische Unterversorgung in Deutschland deutlich zeigen. Dazu Prof. Dr. Ludger Pientka, Direktor der Klinik für Altersmedizin und Frührehabilitation am Marienhospital, Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum:

„Osteoporose wird einfach zu spät erkannt. Jeder vierte Patient, der mit einem neuen Knochenbruch in die Klinik kommt, hatte bereits vorher mindestens einen Knochenbruch. Dabei sind Knochenbrüche ein entscheidender Hinweis auf Osteoporose, werden aber nicht mit der Krankheit in Zusammenhang gebracht. Das ist unverantwortlich! Denn wer auf Grund von Osteoporose einen Knochenbruch erleidet, hat zukünftig ein erhöhtes Risiko, sich weitere Knochen zu brechen. Dabei verfügt die Medizin über wirksame Medikamente, wie zum Beispiel Bisphosphonate.“

Im Fall von Osteoporose: Sturzrisiken vermeiden

Wer einen Knochenbruch erleidet, landet zumeist in der Unfallchirurgie – egal, aus welchem Grund der Knochen bricht. Prof. Dr. Michael Amling, Leiter der Experimentellen Unfallchirurgie und Oberarzt der Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf:

„In der Unfallchirurgie haben wir tagtäglich mit vielen Patienten zu tun, bei denen Osteoporose der Grund für einen Knochenbruch ist. Bei manchen ist es sogar schon die zweite, dritte oder vierte Fraktur. Die Patienten haben extreme Schmerzen und sind, je nach Art des Bruchs, in ihrer Bewegung stark eingeschränkt. Soweit sollte man es auf keinen Fall kommen lassen,“ so Prof. Dr. Amling.

„Wer ohne erkennbaren Grund, also ohne ein heftiges Trauma, wie einen Autounfall oder einen Sturz aus großer Höhe, einen Knochenbruch erleidet, sollte den behandelnden Arzt auf jeden Fall auf Osteoporose ansprechen. Bestätigt sich der Verdacht, müssen Betroffene eine wirksame Therapie zum Beispiel mit Bisphosphonaten einfordern! Nur hierdurch können langfristig durch Osteoporose bedingte Knochenbrüche vermieden werden. Ich rate meinen Patienten außerdem, auch selbst für ihre Sturzsicherheit zu sorgen: Regelmäßige Bewegung ist sehr wichtig, denn sie stärkt Muskeln und Knochen gleichermaßen. Außerdem sollten Betroffene zu Hause Sturzfallen wie rutschige Teppiche, Teppichkanten oder im Weg stehende Gegenstände beseitigen.“

Osteoporose-Schmerzen? Nein, danke!

Wer nicht von Osteoporose betroffen ist, weiß oft nicht, mit welchen Schmerzen die Krankheit verbunden ist. Denn die treten nicht nur akut bei Knochenbrüchen auf. Prof. Dr. Helmut Minne, Ärztlicher Direktor der Klinik Der Fürstenhof in Bad Pyrmont:

„Betroffene leiden durch einen osteoporotischen Bruch unter extremen Schmerzen, die Menschen in ihrem Umfeld kaum nachvollziehen können. Unterschätzt wird dabei vor allem der Schmerz, der durch defekt verheilte Brüche, zum Beispiel bei mehrfachen Wirbelbrüchen, entsteht. Dadurch werden alltägliche Bewegungen wie Laufen, Bücken oder Heben teilweise unmöglich. So können Patienten oft nicht einmal mehr eine Einkaufstüte tragen oder den Staubsauger hinter sich her ziehen. Deshalb gilt: Die Behandlung von Osteoporose muss beginnen, bevor ein Knochen bricht! Denn eine Fraktur ist bereits eine Spätkomplikation in Folge der bestehenden Osteoporose. Wer rechtzeitig ein wirksames Medikament bekommt, kann einen Knochenbruch verhindern.“

Osteoporose – Daten und Fakten

Bei Osteoporose, auch Knochenschwund genannt, baut sich im Körper kontinuierlich mehr Knochensubstanz ab, als aufgebaut wird – ohne dass die Betroffenen dies zunächst bemerken. Dadurch wird der Knochen mit der Zeit porös, und das Risiko für Knochenbrüche steigt stark an. Bei der Entstehung spielen vor allem die drei Faktoren Alter, Geschlecht und Vererbung eine wichtige Rolle. Bewegungsmangel, Alkohol, Nikotin und Koffein, Ernährungsfehler sowie Östrogenmangel begünstigen die Krankheit zusätzlich.

Frauen haben ein höheres Risiko, an Osteoporose zu erkranken als Männer, vor allem mit Eintritt der Menopause. Doch vorbeugen kann jeder: Viel Bewegung, eine kalziumreiche Ernährung, zum Beispiel mit Milchprodukten und grünem Gemüse wie Grünkohl, sowie Vitamin D sind der beste Schutz vor Osteoporose.

Aber Vorsicht: Wer bereits Osteoporose hat, bei dem reicht das nicht aus. Dann müssen Medikamente eingenommen werden, zum Beispiel Bisphosphonate, die die Knochen abbauenden Zellen hemmen und sehr wirksam sind.

Mehr Informationen unter:
Initiative gegen Knochenschwund
Telefon: 0800-673 00 02 (gebührenfrei)
Faxabruf: 0800-673 673 3 (gebührenfrei)
www.initiativegegenknochenschwund.de

(Text: Initiative gegen Knochenschwund; Bilder: permanent – Oktober 2006)

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