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Morgenerektion

Erektion ohne sexuelle Reize

Die morgentliche Erektion, von manchen eher informell als "Morgenlatte" bezeichnet, sorgt mancherorts für Aufsehen.

Ob Zuneigungsbekundung oder rein reflektorische Eigenart der Natur, ist nicht eindeutig bewiesen. Mit Sicherheit kann sie aber dem Arzt unter bestimmten Umständen einen wichtigen Hinweis geben.

Wie funktioniert die Erektion?

Sowohl Berührungen, Gerüche und Bilder als auch psychische (erotische Phantasien) Reize können der Auslöser einer Penisversteifung (Erektion) sein. Über parasympathische Nerven wird eine Erschlaffung der Schwellkörperarterien bewirkt. Dadurch wird der Blutfluss auf das 20- bis 40-fache der Ruhedurchblutung gesteigert.

Durch die Erweiterung der Schwellkörper kommt es zur Kompression der Venen, die sonst für den Abfluss des Blutes verantwortlich sind. Das Blut sammelt sich in den Schwellkörpern, und der Druck in diesen kann bis auf 800 mmHg ansteigen.

Warum gerade morgens?

Mehrere mögliche Ursachen kommen in Betracht, wobei Phantasien während des Schlafes nicht dazu gehören, auch wenn diese ähnliche Folgen haben können. Auch ist die Erektion am frühen Morgen nur selten eine Reaktion auf partnerschaftliche Reize.

Meistens handelt es sich um eine rein körperliche Reaktion, die nicht mit wie auch immer gearteten erotischen Reizen assoziiert ist. Vielmehr kommt es mehrfach in der Nacht zu spontanen Erektionen ohne sexuellen Hintergrund.

Dies geschieht besonders in den Schlafphasen, die als REM-Phasen bezeichnet werden. Diese Phasen zeichnen sich durch rege Augenbewegungen, erhöhte Hirnaktivität, aber auch schlaffe Muskulatur aus und werden zum Ende der Nacht hin häufiger. REM ist die Abkürzung für "rapid eye movement".

Auf Grund der Diskrepanz zwischen Hirn- und Muskelaktivität nennt man sie auch paradoxen Schlaf. Da das Aufwachen meistens aus einer solchen Schlafphase heraus geschieht, kann die Morgenerektion ein Rest der körperlichen Reaktion im REM-Schlaf sein.

Volle Blase als Ursache?

Möglicherweise sind die nächtlichen Erektionen auch eine Art Reflex, um den Penis mit frischem Blut zu versorgen, da er im nicht versteiften Zustand weniger durchblutet ist. Mehrfache nächtliche Erschlaffungen der Muskulatur der versorgenden Gefäße sorgen dann für gesteigerte Blutzufuhr und verbesserte Sauerstoffversorgung.

Eine andere Erklärung wird bei der morgens meist gut gefüllten Blase gesucht. Dieser Druck der Blasenwand soll durch Reizung der im Becken befindlichen Nerven reflektorische Erektionen hervorrufen können. Diese Nerven sind tatsächlich auch unter normalen Bedingungen für die Sexualfunktion notwendig. Andere vermuten, dass die volle Blase den Blutausstrom aus dem Penis behindern soll.

Ein weiterer Erklärungsansatz schreibt dem allmorgendlich erhöhten Testosteronspiegel ursächliche Bedeutung zu. Dieses männliche Geschlechthormon ist nämlich morgens deutlich erhöht. Nebenbei bemerkt, soll es auch gegen 19 Uhr einen weiten Spitzenwert erreichen.

Warum fragt der Arzt danach?

Sollten Sie aus bestimmten Gründen (unerfüllter Kinderwunsch, Probleme beim Geschlechtsverkehr) einen Arzt aufsuchen, kann es passieren, dass er Sie fragt, ob Sie regelmäßig eine Morgenerektion haben. Wenn die morgendliche Erektion vorhanden ist, spricht das dafür, dass man organische Ursachen für Erektionsprobleme mit hoher Wahrscheinlichkeit ausschließen kann.