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Impotenz

Was hilft, wenn es im Bett nicht mehr so recht läuft (bzw. steht)?

Ein delikates Problem: Angesichts der nachvollziehbar beachtlichen Dunkelziffer bei diesem Thema gehen Schätzungen davon aus, dass 39 Prozent der 40- bis 50-jährigen, 48 Prozent der 50- bis 70-jährigen und 75 Prozent der 80-jährigen Männer unter einer so genannten erektilen Dysfunktion leiden.

Diesen Ausdruck verwenden Mediziner in diesem Zusammenhang sehr gern. Warum? Nun, zunächst einmal klingt er viel gebildeter als die mittlerweile ja schon vom Volksmund annektierte „Impotenz“, vor allem aber bezeichnet er wesentlich genauer, worum es geht.

Formen der Erektionsstörung

Unter den vielen Formen der Impotenz machen die erektilen Dysfunktionen nur einen gewissen Teil der Störungen aus, nämlich denjenigen, der das Einführen des Penis in die Vagina verhindert, sei es durch eine unzureichende Versteifung oder durch eine zu kurze Dauer der Erektion (Impotentia coeundi).

Impotenz kann dagegen auch, je nach Art, das Unvermögen, trotz Samenerguss einen Orgasmus zu erreichen, beschreiben (Impotentia satisfactionis), das prinzipielle Desinteresse an sexuellen Handlungen (Impotentia concupiscentiae) oder die Unfähigkeit bedeuten, Kinder zu zeugen (Impotentia generandi).

Eine Besonderheit bei dieser Einteilung ist die Unfähigkeit, im Rahmen eines Geschlechtsaktes eine Ejakulation zu erzielen (ejakulatorische Impotenz), die zu den erektilen Dysfunktionen gerechnet wird, obwohl sie mit einer durchaus vorzeigbaren Erektion einhergehen kann und somit dem geschlechtlichen Vollzug weniger im Wege steht, als der Fortpflanzung.

Der Begriff „erektile Dysfunktion“ bezeichnet also Störungen, die nicht die prinzipielle Zeugungsfähigkeit betreffen, sprich: Nicht in einer mangelhaften Produktion von befruchtungsfähigen Spermien begründet sind.

Was sind die Ursachen der erektilen Dysfunktion?

Entgegen früherer Annahmen liegen dieser Störung mit ca. 15 Prozent weitaus seltener rein psychische als vielmehr überwiegend körperliche oder körperliche und psychische Probleme in Kombination zugrunde. Dabei sind die Ursachen sehr vielfältig und treten selten isoliert auf, vielmehr gibt es meist mehrere Gründe gleichzeitig.

Der Anteil der psychischen Ursachen ist bei jungen Männern größer als bei älteren Männern, allerdings führen Störungen in der sexuellen Leistungsfähigkeit oft sekundär zu großen seelischen Belastungen und Versagensängsten, die sicher zu einem guten Teil auch durch unsere in Richtung Sportlichkeit und Sex-Appeal durchgestylte Gesellschaft genährt werden.

Nun soll im Rahmen dieses Artikels aber nicht die Gesellschaft reformiert, sondern lediglich die daran interessierten Teile derselben über die erektile Dysfunktion aufgeklärt werden. Daher folgt nun auch nicht etwa ein glühender Aufruf für mehr Dieses oder Jenes, sondern vielmehr eine Auflistung der häufigsten körperlichen Ursachen für dieses sicher oft sehr unangenehme Problem.

Da die Erektion durch eine vermehrte Blutfüllung des Penis ermöglicht wird (wenn sie überhaupt ermöglicht wird), liegen im Bereich der Zufuhr und des Abflusses von Blut auch die häufigsten Ursachen, wobei Schädigungen an den Blutgefäßen selbst den Löwenanteil (45 Prozent arterielle und 20 Prozent venöse Schäden) für sich beanspruchen. Mit 15 Prozent schlagen die rein psychischen Ursachen zu Buche.

Die Regelung des Blutflusses wird durch ein äußerst komplexes Zusammenspiel von Nervenimpulsen gesteuert, so dass es nicht verwundert, dass Schädigungen des Nervensystems mit zehn Prozent den dritten Platz in dieser für alle aktiv und passiv Beteiligten traurigen Rangfolge belegen. Obwohl den Hormonen auf dem Gebiet der Sexualität eine bekanntermaßen tragende Rolle zukommt, sind sie mit nur fünf Prozent eher selten der Grund des Übels, ebenso wie Verletzungen im Bereich des Urogenitaltraktes.

Wie funktioniert eigentlich eine „normale“ Erektion?

Der Penis kann sehr viel Blut aufnehmen. In seinem Inneren befinden sich drei Schwellkörper, auf fachchinesisch „Corpora cavernosa“ genannt, die eine Erektion erst möglich machen.

Bei entsprechender Stimulation geschieht ein kleines Wunder: In einem komplizierten Zusammenspiel sorgen die beiden Anteile des vegetativen Nervensystems, der Sympathicus und der Parasympathicus, dafür, dass das Blutvolumen in den Schwellkörpern zunimmt. Das Wunder daran ist, dass diese beiden funktionellen Nervensysteme eigentlich zueinander stehen wie zwei alt gediente Eheleute. Das eine versucht stets, das Gegenteil des anderen zu erreichen.

Um nun zu einer effektiven Intimdurchblutung zu kommen, müssen die Arterien (das sind diejenigen Blutgefäße, die Blut zum Penis hin transportieren) weit gestellt und die Venen (die das Blut zurück zum Herzen schaffen) verengt werden.

Die anatomischen und biochemischen Details, die all das regelrecht ermöglichen, übersteigen den Rahmen dieses Artikels. Wir finden uns also zunächst damit ab, dass die Beschreibung „kleines Wunder“ nicht ohne Berechtigung gewählt wurde. Damit soll aber auch zum Ausdruck gebracht werden, dass das Funktionieren dieses Systems keine Selbstverständlichkeit ist und Störmöglichkeiten vielfältig sind.

Mögliche Ursachen im Detail

Die Liste der Ursachen ist ähnlich lang, wie die Vorgänge komplex sind. Eine Diagnose der Ursachen setzt eine ausführliche Bestandsaufnahme der persönlichen Krankengeschichte, des sozialen Umfeldes, der klinischen Symptome und verschiedener Laborparameter voraus.

Wie schon beschrieben, stellen Probleme des Gefäßsystems den größten Anteil der Ursachen dar, die einschlägigen Auslöser für Gefäßverkalkungen und arterielle Verschlusskrankheit (AVK) finden sich daher auch in dieser Liste wieder: Nikotinabusus und Diabetes mellitus liegen dabei ganz vorn, aber auch Bluthochdruck, Hypercholesterinämie und zuvor durchgeführte Operationen am Gefäßsystem können die Durchblutung auch im Penis beeinträchtigen.

Aber nicht nur die Blutgefäße können beschuldigt werden. Bestrahlungen oder Operationen im kleinen Becken, an der Harnröhre oder der Prostata, vorangegangene Entzündungen oder Verletzungen von Hoden oder Nebenhoden sind weitere typische Ursachen einer erektilen Dysfunktion. Im Bereich des Nervensystems können zum Beispiel Querschnittslähmungen oder multiple Sklerose, aber auch eine Polyneuropathie auf dem Boden einer Zuckerkrankheit oder eines Alkoholismus der Auslöser der Störung sein.

Seelische Ursachen liegen vor allem in unbewältigten Konflikten, Depressionen und in Leistungs- und Versagensängsten. Die Hormone sind im Alter vor allem für das Nachlassen des Geschlechtstriebes verantwortlich, aber das Krankheitsbild „Hypogonadismus“, das eine unzureichende Funktion der männlichen Sexualhormone bezeichnet, kann auch zu einer erektilen Dysfunktion führen. Dabei unterscheidet man den primären von dem sekundären Hypogonadismus.

Bei Ersterem liegt die Störung im Bereich der Hormon produzierenden Zellen des Hodens selbst, im zweiten Fall in den übergeordneten Regelsystemen (z.B. durch Schäden von Hypothalamus oder Hypophyse). Außerdem gehören auch Leber- und Nierenversagen sowie die Alzheimersche Erkrankung in die Liste der häufigsten Ursachen.

Skat oder Viagra?

Je nach zugrunde liegender Ursache der Probleme wird sich der Urologe ein individuelles Therapiekonzept überlegen. Dabei stehen die SchwellKörperAutoinjektionsTherapie (SKAT), technische Hilfsmittel wie z.B. Vakuumpumpen oder Penisringe, Medikamente (z.B. Viagra), mikrochirurgische Eingriffe oder sogar Penisprothesen zur Beseitigung organischer Ursachen zur Verfügung. Auch psychotherapeutische Behandlung mit Entspannungsübungen, Gesprächs- und Sexualtherapie kann helfen.