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Expertentipp

Potenzprobleme in den Griff bekommen

Ein Gespräch mit der Duisburger Urologin Dr. med. Eva Hellmis, Vorstandsmitglied des allg. Vereins für Urologie und urologische Onkologie Rhein-Ruhr, AVUR e.V.

Weshalb ist es so schwer, über die 'Last mit der Lust' zu reden?

Ein Mann muss immer können - diesen Anspruch hat er oft an sich selbst. Zudem glauben Männer, dass Frauen von ihnen immer guten Sex erwarten. Wenn das nicht klappt, ist es den meisten Männern peinlich.

Warum haben immer mehr Männer - auch jüngere - Potenzprobleme?

Neben den durch Krankheiten wie z.B. Diabetes bedingten Potenzproblemen stehen oft Lebensweise oder Psyche dahinter. Der Erektionsmechanismus ist sehr empfindlich und reagiert auf z.B. anhaltenden Stress negativ.

Was können Potenzprobleme für eine Partnerschaft bedeuten?

Viele Frauen denken, ihr Mann hat eine andere, wenn er sich plötzlich statt Kuscheln und Streicheln nur noch seinen Hobbys oder dem Sport widmet. Auch Frauen meiden Sexualität, wenn ihr Mann sich dabei fast bis zum Herzinfarkt anstrengen muss. Partnerschaften können daran zerbrechen.

Wie kann die Partnerin die Spirale des Schweigens durchbrechen?

Das Thema ansprechen, aber auf keinen Fall anklagend. Versuchen, sich in seine Lage zu versetzen. Mehr Zeit miteinander verbringen - das schafft Nähe und Gemeinsamkeit. Das eigentliche Problem geht man dann am besten gemeinsam mit Hilfe eines Urologen an.

Bei welchen Warnsignalen und wann sollte man zum Arzt?

Wenn sich über Wochen und Monate Erektionen nicht mehr richtig aufbauen oder zu schnell zusammenbrechen, sollte man möglichst frühzeitig aktiv werden.

Wie sehen Therapiemöglichkeiten aus?

Der Arzt wird eine gründliche Untersuchung mit Herz-Kreislauf-Check und Belastungs-EKG machen. Bei Übergewichtigen kann Abnehmen und Bewegung helfen. Zudem gibt es Potenzpräparate in Tablettenform. Bewährt haben sich moderne PDE-5-Hemmer wie Viagra, das laut Studien die stärksten und härtesten Erektionen erzeugt.

Können Potenzmittel eine dauerhafte Wirkung erzielen?

Ich rate, Potenzmittel zunächst mehrmals wöchentlich zu nehmen und nach einiger Zeit und erfolgreicher Anwendung die Dosis versuchsweise zu reduzieren. Es gilt als erwiesen, dass Potenzmittel zur Regeneration der Erektionsfähigkeit führen können. Wer dann noch gesünder lebt, kann den Behandlungserfolg unterstützen.

Kann man Potenzmittel nicht auch einfach aus dem Internet beziehen?

Ich rate davon ab, da die Herkunft und Herstellung der Präparate nicht gesichert ist, insbesondere bei Produkten aus dem Ausland. Inhaltsstoffe und Inhalt variieren in der Qualität und enthalten möglicherweise ungereinigte, damit auch schädliche Substanzen.

Potenzmittel und ihre Wirkung

Moderne Potenzmittel wie PDE-5-Hemmer ermöglichen eine verstärkte Blutzufuhr in die Schwellkörpergefäße. Sie blockieren zugleich das Enzym PDE 5, das den Penis ungewollt zu früh erschlaffen lässt. Ihre Wirkung tritt meist schon 20-30 Minuten nach der Einnahme ein. Studien haben gezeigt, dass Viagra die stärksten und härtesten Erektionen erzeugt. Dies bestätigen auch neueste Ergebnisse, die auf dem letzten Europäischen Urologenkongress berichtet wurden.

(Quelle: djd/ pt; Foto: djd/Pfizer)