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Gefahren bei Krampfadern

Krampfadern – nur ein kosmetisches Problem?

Diese Frage muß ganz klar mit „Nein“ beantwortet werden. Neben schweren, schmerzenden und geschwollenen Beinen können Krampfadern zu lebensbedrohlichen Komplikationen führen.

Als wichtigste Komplikation ist die Lungenembolie zu nennen. Bis zu 70 % aller Lungenembolien entstehen im Anschluss an eine tiefe Beinvenenthrombose. Und auch das offene Bein ist nicht zu unterschätzen.

Von der chronischen venösen Insuffizienz zum offenen Bein

Das Venenleiden zeigt gewöhnlich einen stadienhaften Verlauf. Das liegt daran, dass die Mechanismen, die zu Krampfadern führen, Teil eines Teufelskreises sind. Am Anfang dieses Kreises steht die angeborene Bindegewebsschwäche. Stauung der Venen, durch langes Stehen oder Sitzen, führt so zunächst zu einer Ausweitung der Venen. Irgendwann werden dann die Venenklappen nicht mehr richtig schließen. So wird die Stauung und damit Ausdehnung der Venen noch verstärkt.

Schreitet die Belastung weiter fort, wird das tiefe Venensystem immer mehr belastet und auch die Klappen der tiefen Venen werden insuffizient. Im Verlauf werden die Flüssigkeitsansammlungen in den Beinen immer schlimmer. Durch den immer schlechter werdenden Abfluss des „verbrauchten Blutes“ aus den Beinen kann immer weniger „frisches Blut“ nachkommen.

Die Haut kann sich dann nicht mehr gut regenerieren und wird dünn und leicht verletzlich. Jede kleine Verletzung führt in dieser Situation zu bleibenden Hautverfärbungen. Verletzungen heilen schlecht. Keime haben leichtes Spiel. Am Ende steht das offene Bein.

Kommt es zu einer ausgeprägten Entzündung, bleibt oft nur noch die Amputation, um eine Blutvergiftung zu verhindern. Alle Stadien gemeinsam kennzeichnen das Krankheitbild der chronisch venösen Insuffizienz (CVI). Zwar muss nicht jeder, der an Krampfadern leidet, zwangsläufig mit einem offenen Bein enden, doch kann es sehr schnell dazu kommen. Durch konsequente Therapie kann aber meistens das Fortschreiten der Erkrankung aufgehalten werden.

Immer wiederkehrende, schmerzhafte Venenentzündungen

Sehr häufig kommt es zu Entzündungen der oberflächlichen, ausgeweiteten Hautvenen. Sie sind als schmerzhaft gerötete Stränge unter der Haut zu tasten. Diese Venenentzündung sollte nicht mit der Venenthrombose verwechselt werden, obwohl sie, wenn man sie nicht im Auge behält, durchaus dazu führen kann.

Therapiert wird eine solche Entzündung durch einen kleinen Einstich. Das entzündliche Material wird dann herausgedrückt. Zur Thromboseprophylaxe werden Heparinspritzen verordnet und die betroffene Stelle mit einem Kompressionsverband und entzündungshemmender Salbe versorgt.

Um das Wiederauftreten zu verhindern, muss das zu Grunde liegende Venenleiden konsequent therapiert werden.

Lebensgefahr bei tiefer Beinvenenthrombose

Durch den verlangsamten Blutfluss in geschädigten Venen kommt es per se leichter zur Blutgerinnung. Wird der Blutfluss nun noch mehr verlangsamt, zum Beispiel durch langes, bewegungsloses Sitzen im Flugzeug oder Bettruhe nach einer Operation, kann dies zu einer Blutgerinnselbildung im tiefen Venensystem führen. Dies nennt man Thrombose.

Der venöse Abstrom ist ganz oder teilweise verschlossen. Da kein Blut mehr aus dem Bein herauskommt, kommt auch keins mehr rein. Dadurch ist es vom Sauerstoff- und Nährstoffangebot vollständig abgeschnitten und schwillt sehr stark an. Wenn man die Wade zusammendrückt, verursacht das starke Schmerzen. Dieses Phänomen wird von Medizinern als Meyer-Zeichen bezeichnet.

Die größte Gefahr bei der tiefen Beinvenenthrombose besteht darin, dass sich leicht Teile des Thrombus lösen und dann mit dem Blutstrom in die Lunge getragen werden. Dadurch kann nur noch wenig oder gar kein Blut mehr in die Lunge fließen. Es besteht höchste Lebensgefahr.
Auch wenn es nicht zu einer Lungenembolie kommt, bleibt doch sehr oft eine chronische venöse Insuffizienz zurück. Dabei entwickelt sich bei jedem viertem Erkrankten ein offenes Bein. Wenn man die Thrombose aber sofort erkennt und behandelt, liegen die Karten sehr viel besser.

Deshalb sollte man schon bei Verdacht auf eine Thrombose zum Arzt gehen. Dieser kann einen Thrombus mit Hilfe von Ultraschall oder einer Röntgenuntersuchung sichtbar machen und kann dann auch unmittelbar mit der Therapie beginnen.

Befindet sich der Thrombus im Oberschenkel, ist strenge Bettruhe erforderlich, nicht jedoch am Unterschenkel. Das betroffene Bein sollte sofort eng gewickelt und das Blut mit Heparin verdünnt werden, um eine Vergrößerung des Thrombus zu verhindern.

In sehr schweren Fällen muss möglichst schnell mit einer Lysetherapie im Krankenhaus begonnen werden, um das Bein oder das Leben zu retten. Dabei wird versucht, den Thrombus aufzulösen.