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Krankheitsverlauf

Die eigene Schilddrüse wird bekämpft

Auch wenn der Name exotisch klingt: Immer mehr Menschen erkranken weltweit an Hashimoto Thyreoiditis. Die bislang weitgehend unbekannte Autoimmunerkrankung der Schilddrüse ist nach dem Pathologen Hakura Hashimoto benannt. Er stellte fest, dass der Organismus Antikörper gegen das eigene schmetterlingsförmige Organ bildet und die Schilddrüse somit die eigenen Zellen angreift. Schleichender Krankheitsverlauf: Unbehandelt führt die Erkrankung meist zur schleichenden Zerstörung der Schilddrüse, die schließlich nicht mehr genügend Schilddrüsenhormone produzieren kann. Neben der Schilddrüsenunterfunktion leiden viele Patienten unter weiteren Störungen. Das Problem besteht in einem aus der Balance geratenen Immunsystem, das diverse Körperorgane und -gewebe angreift. Selen hilft freie Radikale zu entsorgen: Als Krankheitsursache wird das Zusammentreffen einer genetischen Veranlagung mit auslösenden und verstärkenden Umweltfaktoren angesehen. Da häufig Frauen von der Autoimmunerkrankung betroffen sind, werden weibliches Geschlecht, Hormonumstellungsphasen und Sexualhormon-Defizite als wesentliche Gründe betrachtet. Rauchen und Stress gehören ebenso wie ein Mangel an Spurenelementen wie Selen zu den begünstigenden Faktoren. Da Selen hilft, freie Radikale zu entsorgen, die bei der Produktion von Schilddrüsenhormon in großen Mengen anfallen, raten Experten neben einer eventuell notwendigen Hormontherapie täglich zu 200-300 Mikrogramm Selen in Form von Natriumselenit. Abhängig vom individuellen Verlauf sollte das Mikrospurenelement dauerhaft bei der Immunthyreoiditis eingenommen werden.

Wenn die Schilddrüse sich selbst zerstört - Prof. Dr. Armin Heufelder, Hormonfacharzt, über Hashimoto-Thyreoiditis:

Herr Professor Heufelder, Hashimoto Thyreoiditis gilt als die häufigste Autoimmunerkrankung. Bei wem tritt die noch weitgehend unbekannte Schilddrüsenentzündung auf?
Bei Frauen nach den Wechseljahren kommt sie besonders häufig vor (bis zu 15 %). Aber auch jüngere Frauen, Kinder und Männer sind nicht selten betroffen.

Was sind die häufigsten Symptome?
Die Hashimoto Thyreoiditis wird oft erst erkannt, wenn bereits so viel Schilddrüsengewebe zerstört oder funktionell beeinträchtigt ist, dass daraus eine Schilddrüsenunterfunktion resultiert. Die Symptome sind meist vieldeutig und unspezifisch. Am häufigsten finden sich Müdigkeit, Erschöpfung, nachlassende Leistungsfähigkeit, Stimmungsschwankungen, Verdauungsbeschwerden, Gewichtszunahme, vermehrtes Schlafbedürfnis sowie Veränderungen von Haut, Haaren und Nägeln.

Was bedeutet es, wenn sich aus H.T. eine Schilddrüsenunterfunktion entwickelt, und wie kann man diese behandeln?
Die Schilddrüsenunterfunktion führt zu einer Verlangsamung der Stoffwechselprozesse. Besonders betroffen sind Gewebe mit hoher Stoffwechsel- und Hormonbildungsaktivität, wie Leber, Gehirn, Herz, Darm, Skelettmuskulatur und Immunsystem. Die Behandlung besteht in der regelmäßigen Gabe von L-Thyroxin, jeweils in individuell angepasster Dosierung.

Gibt es Möglichkeiten, einer Unterfunktion vorzubeugen?
Das einzige mit gutem Erfolg funktionierende Behandlungsprinzip, das ein Fortschreiten der H.T. und damit Organzerstörung und Unterfunktion aufhalten kann, ist nach heutigem Kenntnisstand die frühzeitige Einnahme von Selen, ggf. in Kombination mit niedrig dosiertem L-Thyroxin.

Demnach besteht ein Zusammenhang zwischen der Entstehung von H. T. und Selenmangel?

Selenmangel begünstigt das Auftreten der Schilddrüsenentzündung, verschlechtert die Spontanheilungstendenz und verschärft die Intensität des Immunprozesses in der Schilddrüse.

Warum braucht die Schilddrüse Selen?
Selen ist ein integraler Bestandteil vieler Enzymsysteme, die im Körper eine zentrale Rolle spielen. Nur bei optimaler Selenversorgung ist sichergestellt, dass die Entsorgung von Radikalen reibungslos funktioniert.

Quelle: djd/pt; Foto: djd/Cefak-Cefasel