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Prostatakrebs – Früherkennung

Experten klagen: Deutschland ist ein Vorsorgeentwicklungsland

Pablo Picasso, Charles de Gaulle, Ronald Reagan und François Mitterand sollen Prostatakrebs gehabt haben. Die Krankheit, die zu Beginn in der Regel nur wenig Beschwerden macht, ist die dritthäufigste Todesursache bei Männern.

Etwa 20 Prozent aller in Deutschland bei Männern jährlich neu auftretenden Krebserkrankungen betreffen die Prostata. Prostataleiden gelten dennoch immer noch als großes Tabu. Darüber, wie Prostatakrebs rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln ist, sind die wenigsten informiert. Aufklärung tut Not.

Alle 20 Minuten erkrankt in Deutschland ein Mann an Prostatakrebs. Jährlich werden etwa 31.500 Prostatakarzinome diagnostiziert – schon jeder fünfte neu entdeckte Krebs betrifft die Prostata. Bei Männern über 50 ist das Prostatakarzinom sogar der am häufigsten festgestellte Tumor, und auch in der Mortalitätsrate ist der Prostatakrebs auf dem Vormarsch: Bei
11.000 Todesfällen pro Jahr steht er nach dem Lungen- und Darmkrebs bereits an dritter Stelle der krebsbedingten Todesursachen beim Mann.

Alarmierende Zahlen, doch leider haben Männer im Gegensatz zu Frauen eine weniger gesunde Einstellung zur Krebsvorsorge. Nur jeder siebte Mann in den alten Bundesländern, gar nur jeder zehnte in den neuen, nimmt die von den Krankenkassen angebotenen Möglichkeiten der Krebsfrüherkennung wahr und geht zur Vorsorgeuntersuchung – die richtiger Früherkennungsuntersuchung heißt. Es geht darum, den Krebs möglichst in einem frühen Stadium zu entdecken. Dabei sind sich Fachleute einig: Eine offensive Aufklärung über die Vorsorgeuntersuchungen bleibt die wichtigste Waffe im Kampf gegen den Krebs. Wird der Prostatakrebs in einem frühen Stadium durch Operation oder Bestrahlung behandelt, überleben mehr als 80 Prozent der Patienten fünf Jahre und mehr, die meisten können als geheilt gelten. Aber auch in fortgeschrittenen Stadien kann die Erkrankung manchmal über Jahre unter Kontrolle gebracht und ein Fortschreiten verzögert werden.

Die gängigste Untersuchung zur Früherkennung ist die rektale Untersuchung. Einen höhere Erkennungsrate für das Prostatakarzinom liefert nach Meinung von Experten die Kombination von digital-rektaler Untersuchung und einem Bluttest zur PSA-Wert-Bestimmung. Das prostataspezifische Antigen (PSA) ist ein ausschließlich im Prostatagewebe gebildetes Protein. Verschiedene Erkrankungen der Prostata können zu einer Erhöhung des PSA-Blutspiegels führen. Ein Wert von mehr als 4 Nanogramm pro Milliliter Blut (ng/ml) gilt als Warnhinweis und sollte daher medizinisch abgeklärt werden. Eine Erhöhung dieses PSA-Wertes kann aber durchaus auch harmlos sein.

Fest steht, dass der Test eine Reihe von Tumoren entdeckt, die ohne Früherkennung nicht rechtzeitig aufgefallen wären. „Mit Hilfe des PSA-Wertes können zwei Drittel der heilbaren Tumoren erkannt und somit erfolgreich therapiert werden“, so Prof. Dr. med. Kurt Miller, Vizepräsident der Berliner Urologischen Gesellschaft e.V. „Nach gegenwärtigem Kenntnisstand ist die PSA-Bestimmung zur Früherkennung unverzichtbar“.

Und das sollte jeder Mann, der sich einem PSA-Test unterzieht, wissen: Ein erhöhter Wert bedeutet nicht zwangsläufig Krebs; so können auch körperliche Aktivitäten wie Radfahren den PSA-Wert kurzfristig in die Höhe treiben. Liegt ein erhöhter Wert vor, stehen Nachuntersuchungen an. So wird zum Beispiel durch die Entnahme einer Gewebeprobe (Biopsie) festgestellt, ob es sich um Krebs handelt.

Wird ein Tumor nachgewiesen, bedeutet das nicht automatisch, dass dieser sofort behandelt oder operiert werden muss. Der Arzt wird die Aggressivität des Tumors feststellen.

Handelt es sich um einen aggressiven Krebs, können die Therapiemaßnahmen zügig eingeleitet werden. Dem PSA-Test ist es dann zu verdanken, dass der Tumor in einem Stadium entdeckt wurde, in dem er noch geheilt werden kann. Ein zu spät entdecktes aggressives Prostatakarzinom hingegen kann zum Tode des Patienten führen.

Die regelmäßige Kontrolle des PSA-Werts ist also sinnvoll, um ein Prostatakarzinom auszuschließen bzw. um eine bösartige Erkrankung möglichst früh zu entdecken.

Eine geringe Anzahl von Prostataerkrankungen zeigt keine Erhöhung des PSA-Wertes. Der Bluttest gibt daher keine 100-prozentige Sicherheit.

(Quelle: Deutsches Grünes Kreuz e.V., Marburg)