Seitenanfang

Neue Erkenntnisse

Amputiert Glieder schmerzen weiterhin

Phantomschmerz - so nennt sich der Schmerz, den Amputierte in den nicht mehr vorhandenen Gliedmaßen (Phantomgliedern) empfinden. Diese Erscheinung beschränkt sich nicht nur auf schmerzhafte Empfindungen. Die Amputierten fühlen das Phantomglied und empfinden seine Lage im Raum, etwa bei entsprechenden Bewegungsabsichten. Die Unwirklichkeit dieser Empfindungen ist ihnen dabei jedoch durchaus bewusst. Die genauen Ursachen des Phänomens sind noch ungeklärt. Eine bundesweite Großumfrage ergab, dass 74,1 Prozent aller männlichen und 76,8 Prozent aller weiblichen Amputierten unter Phantomschmerzen leiden. Sie wurde von Dr. med. Uwe Kern vom Schmerz- und Palliativzentrum Wiesbaden initiiert. 537 Amputierte nahmen an der Erhebung teil. Was die gesamte Entstehung und Entwicklung der beteiligten Faktoren (die sogenannte Pathogenese) des Phantomschmerzes betrifft, spielen die Stumpfverhältnisse (zum Beispiel Neurom und Narbe) eine gewisse Rolle. Zunehmend zeichnet sich derzeit ab, dass auch Anpassungsprozesse im zentralen Nervensystem an der Entstehung der Beschwerden beteiligt sind.

Phantomschmerzen treten konstant oder anfallsartig und tendenziell mit dem Alter häufiger auf. Zwei Drittel der Betroffenen sprechen mehr oder weniger gut auf Opiate an - eine Medikation, die aber durchaus mit Nebenwirkungen belastet ist. Weitere Therapieformen sind die Spiegeltherapie und die Therapie mit medizinischen Hilfsmitteln aus Umbrellan. Der Phantomschmerz tritt umso häufiger auf, je länger der Betroffene bereits vor der durchgeführten Amputation Schmerzen hatte (Schmerzgedächtnis).

(Quelle: djd/bbs/mm; Foto:djd/ medi)