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Chronisches Erschöpfungssyndrom (CFS)

CFS (Chronic Fatigue Syndrome) – ein seltenes vielgestaltiges Krankheitsbild

Hauptsymptome des CFS sind eine lähmende geistige und körperliche Erschöpfung und Müdigkeit/Erschöpfbarkeit, die zu einer schwerwiegenden Leistungsminderung im Vergleich mit früheren Gewohnheiten führen.

Dazu kommen weitere, individuell unterschiedliche Symptome, für die sich keine körperlichen Ursachen finden lassen und die seit über sechs Monaten andauern. Schonung oder Ruhe können das CFS nicht beheben.

Die Mehrzahl der Betroffenen befindet sich im mittleren Lebensabschnitt (30-50 Jahre). Nach fast allen Studien sind mehr Frauen als Männer betroffen. Unter den Kranken fanden sich in Großbritannien überdurchschnittlich viele in medizinischen Berufen Tätige und Lehrer.
Über die Verbreitung des CFS gibt es für Deutschland keine gesicherten Angaben. Nach Schätzung von Fatigatio e.V. (Förderverein für CFS/CFIDS/ME-Erkrankte) leiden in Deutschland ca. 300.000 Menschen aller Altersgruppen an CFS.

Ursachen des CFS

Die Ursachen und Krankheitsmechanismen des CFS sind bis heute nicht bekannt. Kern der Erkrankung ist offenbar eine Schwächung bzw. chronische Aktivierung des Abwehrsystems. Immunfehlfunktionen oder -defekte, Viren, Pilze, hormonelle Störungen, psychische Faktoren, anhaltender Stress oder Umweltgifte werden international als Auslöser diskutiert.

Obwohl CFS in einigen Fällen neben psychiatrischen Erkrankungen auftritt, gibt es keinen Beweis dafür, dass CFS selbst eine Störung dieser Gruppe ist. Die Abgrenzung zu Depressionen und Somatisierungsstörungen bereitet jedoch erhebliche Schwierigkeiten. Denkbar ist auch eine Kombination und gegenseitige Beeinflussung mehrerer Faktoren, die an der Entstehung und Ausprägung des CFS beteiligt sein könnten.

Welche Beschwerden verursacht CFS?

Die extreme, oft über Jahre anhaltende, lähmende Erschöpfung und Ermüdbarkeit durch geringste Anstrengungen haben dem Krankheitsbild seinen Namen gegeben. Der Beginn der Erkrankung ist meist grippeähnlich und abrupt, in einigen Fällen auch einschleichend. Zum Krankheitsbild gehören Kopfschmerzen, Halsschmerzen, schmerzhafte Lymphknoten, Muskel- und Gelenkschmerzen. Häufig kommen psychiatrische Beschwerden wie Reizbarkeit, Konzentrationsschwäche, Vergesslichkeit, Schlafstörungen oder Depressionen hinzu. Auch Schwäche- und Schwindelgefühl, Ohrgeräusche und Sehstörungen, sowie eine anhaltende Verschlechterung des Zustandes nach Anstrengung gehören zum Krankheitsbild. Unterschiedliche Missempfindungen im ganzen Körper, auch im Gesichtsbereich, mäßiges Fieber bzw. Fiebergefühl und Übelkeit werden ebenfalls oft geschildert.

Welche Untersuchung macht der Arzt?

Es gibt keine Laboruntersuchung oder Untersuchungen mit Hilfe von medizinischen Apparaten, welche die Diagnose CFS sichern. Daher wird der Arzt sehr genau die Symptome erfragen und eine gründliche körperliche Untersuchung vornehmen. Außerdem müssen Erkrankungen ausgeschlossen werden, die ähnliche Symptome hervorrufen können. Dazu gehören z.B. Schilddrüsenunterfunktion, Schlafapnoe und andere Faktoren wie z.B. Medikamentennebenwirkungen. Ähnliche Symptome zeigen auch Patienten mit bösartigen Neubildungen oder chronischer Leberentzündung. Auch psychiatrische Erkrankungen oder Substanzmissbrauch müssen abgeklärt werden.

Behandlung

Bisher gibt es keine einheitliche und gesicherte Therapie des CFS. Die Therapie sollte sich daher an den Hauptbeschwerden des Patienten orientieren. Sinnvoll scheint eine möglichst zurückhaltende, nebenwirkungsarme medikamentöse Behandlung der Beschwerden. Nachgewiesene Defizite im Vitamin- und Mineralstoffhaushalt sollten ausgeglichen und eine ausgewogene Ernährung angestrebt werden. Bei gesicherten Allergien und Empfindlichkeiten kann eine entsprechende Diät hilfreich sein. Je nach individueller Ausprägung des Krankheitsbildes können zusätzlich die Behandlung chronischer Infektionen, Vermeiden von Intoxikationen, Physiotherapie und auch psychotherapeutische Unterstützung hilfreich sein. Manchen Betroffenen bringt auch eine homöopathische oder naturheilkundliche Behandlung Besserung. Andere versuchen, sich an das Leben mit CFS so gut wie möglich anzupassen.

Wie ist die Prognose?

Da viele Aspekte dieses Syndroms bisher unklar sind, ist es sehr schwer, eine Aussage über die Prognose zu treffen. Viele Patienten leiden jahrelang unter CFS, stellen dann aber eine langsame Besserung fest. Vom Patienten und seinem Umfeld sind langfristige Lebens- und Überlebensstrategien im Sinne eines möglichst effektiven Krankheitsmanagements gefordert. Oberstes Ziel kann meist nicht die völlige Beschwerdefreiheit sein. Für den Betroffenen muss vielmehr ein individueller Kompromiss zwischen familiären, sozialen bzw. beruflichen Notwendigkeiten und dem Wunsch nach einer erträglichen Symptomatik gesucht werden.