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Akupunktur

Akupunktur – wie funktioniert sie eigentlich?

Die Geschichte der Akupunktur reicht bis 10.000 Jahre v.Chr. zurück, als man begann, mit Steinnadeln Schmerzen zu lindern. Noch früher werden die Anfänge der Moxibustion datiert: Nach der Entdeckung des Feuers applizierte man angezündete Blätter über schmerzhafte Körperstellen. Die Beobachtung, dass das Gefühl, welches durch die Nadel ausgelöst wird, meist in einer Linie ausstrahlt, führte zur Theorie der Meridiane.

Die Traditionelle Chinesische Medizin, zu der die Akupunktur neben der chinesischen Kräuterheilkunde gehört, macht in China z.B. rund ein Drittel der medizinischen Versorgung aus. Jeder Akupunktur-Behandlung muss eine gründliche Diagnose der zugrunde liegenden Störung bzw. Erkrankung vorausgehen. Dazu wendet der moderne Akupunkteur westliche Methoden wie Röntgenaufnahmen sowie Blut- und Urinuntersuchungen an und kombiniert sie mit chinesischen Methoden wie der Zungen- und Pulsdiagnose. Der Puls wird mit drei Fingern an jedem Handgelenk an drei verschiedenen Tiefen gefühlt. Aus Form, Farbe und Belag der Zunge schließen die Chinesen ebenfalls auf Gesundheitsstörungen.

Eine umfassende Diagnose muss vorausgehen

Doch der Arzt nimmt seinen Patienten mit allen Sinnen wahr. Einige Beispiele: Er betrachtet Körperhaltung, Gesichtsfarbe, Augen; er hört den Klang der Stimme, ob die Atmung z.B. erschwert ist oder Nebengeräusche hat, und achtet auf Darmgeräusche; er riecht den Atem und den Schweiß; er befühlt die Haut und die Akupunkturpunkte und fragt schließlich genau nach Schmerzen, Stimmung, Schlafgewohnheiten, Essen und Trinken.

Steht die Diagnose fest, wird der Akupunkteur ca. sechs bis zwölf sterile Nadeln entlang der zwölf Hauptmeridiane setzen. Je nachdem, welche Wirkung mit der Nadel erzielt werden soll – anregend oder beruhigend –, können die Nadeln senkrecht oder auch schräg nach oben oder unten weisend eingestochen werden. Die Tiefe des Einstichs richtet sich nach der Körperstelle und dem dabei zu durchdringenden Gewebe (am Finger beispielsweise nur wenige Millimeter, am Oberschenkel oder Bauch können es mehrere Zentimeter sein).

Kein Grund zur Panik

Das Einstechen der Nadel wird normalerweise kaum als schmerzhaft empfunden. Manche Patienten berichten von einem elektrisierenden Ziehen, ausgehend von der Einstichstelle. Dies ist als positives Zeichen zu werten: Die Nadel, sagen die Akupunkteure, hat den Energiestrom (chinesisch Qi) erreicht. Es kann sich aber durchaus auch dann ein Therapieerfolg einstellen, wenn kein solches Gefühl beim Stechen ausgelöst wird. Normalerweise verbleiben die Nadeln 15 bis 20 Minuten in der Haut. In dieser Zeit sollte sich der Patient entspannen können, eventuell unter einer Decke. Tritt jedoch ein unangenehmes Schmerzgefühl auf, sollte die Nadel entfernt bzw. die gesamte Behandlung abgebrochen werden. Innerer Widerstand gegen eine Behandlungsmethode mindert die Heilungsaussichten stets beträchtlich.

Eine nach allen Regeln der Kunst ausgeführte Akupunktur darf keine unerwünschten Nebenwirkungen haben. Allerdings braucht der Therapeut eine sehr gute Ausbildung in Akupunktur, große Sorgfalt bei der Punktauswahl und am Besten langjährige Erfahrung; nur dann kann er unerwünschte Nebenwirkungen wirklich ausschließen.

Die Moxibustion kann zusätzlich, vor allen Dingen bei Kältesymptomen (nach chinesischer Diagnose), eingesetzt werden. Dabei wird Moxakraut (getrocknetes Beifußkraut) entweder als kleiner Kegel direkt auf dem Akupunkturpunkt abgebrannt oder als Moxa-Zigarre brennend an die Akupunkturnadel gehalten. Die dabei entstehende Wärme fließt auch über die Meridiane weiter und wird als sehr angenehm empfunden. Im Durchschnitt erfolgen 10 bis 15 Sitzungen, jeweils ein- bis zweimal pro Woche. Manche Krankenkassen beteiligen sich übrigens ganz oder teilweise an den Kosten!

"Die klinischen Daten deuten darauf hin, dass Akupunktur eine generelle Wirkung gegen Schmerzen besitzt", lautete Ende 1997 das Urteil der Nationalen Gesundheitsinstitute der USA (NIH), einer hohen medizinischen Autorität. Diese spricht der Akupunktur übrigens bei folgenden Beschwerden eine eindeutige Wirksamkeit zu: Zahnschmerzen nach Operationen, Übelkeit nach Chemotherapie sowie Übelkeit während der Schwangerschaft und nach Narkosen. Hinweise auf die Wirksamkeit sind vorhanden bei Tennisarm, chronischem Kopfschmerz, Rückenschmerzen und Regelschmerzen.

Was steckt hinter den Akupunkturpunkten?

Die Akupunktur als eine wichtige Therapieform der altchinesischen Medizin ist bei uns vorwiegend in der Schmerztherapie etabliert. Mehr als zwei Drittel der Schmerztherapiezentren setzen sie erfolgreich ein. Dabei werden hauchdünne Nadeln an bestimmten Punkten der Körperoberfläche in die Haut eingestochen und dadurch stimuliert. Diese Punkte sind nach der Vorstellung der chinesischen Medizin bestimmten Organen oder Körperteilen zugeordnet. Die Stimulation der Punkte kann auch durch elektrische Wechselströme oder Laserlicht erfolgen. Doch wie lässt sich die Wirkung dieses Therapieverfahrens heute wissenschaftlich erklären?

Was passiert, wenn man einen Akupunkturpunkt reizt?

Zu etwa 80% scheinen die Akupunkturpunkte mit so genannten Triggerpunkten übereinzustimmen. Diese Punkte werden durch sensible Nerven versorgt, die im Rückenmark auf gleicher Segmenthöhe enden wie die vegetative Innervation innerer Organe und mit diesen in Verbindungen stehen. Bei Erkrankungen dieser inneren Organe werden auch die Triggerpunkte der Haut reflektorisch druckempfindlich und übererregt. Der umgekehrte Reflexweg von der Haut zu den Eingeweiden scheint auch zu existieren, was man sich bei der Schmerzbehandlung zu Nutze machen kann.

Der Stich in den Akupunkturpunkt reizt die schnellen sensiblen Nervenfasern der Haut. Dieser Reiz wird ins Rückenmark weitergeleitet und kann über Interneurone, das sind Nervenzellen, die die Verbindung zwischen Nervenzellen herstellen, vegetative Reize aus inneren Organen direkt hemmen. Zusätzlich werden im Gehirn und Hirnstamm schmerzhemmende körpereigene Opiate ausgeschüttet und absteigende Bahnen aktiviert, die wiederum Reize aus den entsprechenden inneren Organen zusätzlich hemmen können. Dieser Mechanismus kann helfen, den Teufelskreis des Schmerzes, der den Krankheitsprozess oft nur verschlimmert oder sogar selbst zur Krankheit werden kann, zu durchbrechen und die Regeneration zu ermöglichen. Wenn allerdings ein Organ schon irreversibel geschädigt ist, kann auch die Akupunktur nichts mehr ausrichten.

Wie sehen die Akupunkturpunkte aus?

Lange Zeit glaubte man, dass sich Akupunkturpunkte nicht von anderen Stellen des Körpers unterscheiden würden. Man hatte punktförmige Hautnervenendungen gesucht, aber keine gefunden. Später fiel auf, dass das chinesische Wort für Akupunkturpunkte eigentlich mit "Loch" übersetzt werden muss. Und tatsächlich fand man bei 310 der 361 als besonders wertvoll angesehenen Punkten schlitzförmige Löcher in der oberflächlichen Körperfaszie. Diese Faszie bildet gewissermaßen eine Trennschicht zwischen Haut und der darunter liegenden Muskulatur. Durch diese Öffnungen tritt jeweils ein Bündel aus Nerven und Gefäßen für die Haut aus der Tiefe an die Oberfläche. Bei genaueren Untersuchungen stellte sich dann heraus, dass sich auch unter den restlichen Punkten (mit Ausnahme der Ohrpunkte) Austrittsstellen von Gefäß-Nerven-Bündeln befinden.

Bei vielen Erkrankungen fanden sich aber auch Veränderungen des Bindegewebes im Bereich der Akupunkturpunkte. Kurz sei noch angemerkt, dass beim Nadelstich der Nerv niemals selbst getroffen werden darf. Durch den Einstich soll nur über eine Veränderung des umgebenden Gewebes die Ladung der Nerven indirekt verändert werden. Diese Veränderung soll auch als ein den Körper durchziehendes Wärmegefühl spürbar sein.

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