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Conconi

Bei welcher Herzfrequenz halte ich am längsten durch?

In der Trainingspraxis nimmt man oft die Herzfrequenz als Maß für die Belastung. Der Grund dafür liegt darin, dass man eine Linearität zwischen Herzfrequenz und Arbeitsintensität entdeckt hat.

Wenn man zum Beispiel läuft, schlägt das Herz auch schneller. Für Ausdauertraining gilt, dass der optimale Trainingsreiz zustande kommt, wenn das ganze Sauerstofftransportsystem maximal aktiviert ist, aber gerade keine Milchsäureanhäufung im Muskel stattfindet. Dieser Übergangsbereich wird auch als aerob-anaerober Übergang oder anaerobe Schwelle bezeichnet.

Milchsäure wirkt nachteilig auf die Muskeln

Milchsäure entsteht wenn dem Muskel nicht genug Sauerstoff zur Verfügung steht, um Zucker optimal zu Verbrennen (aerob) und er den Zucker auf anaerobe Art zu Milchsäure abbaut. Hohe Milchsäurekonzentrationen wirken sich nachteilig auf viele Muskel- und Körperfunktionen aus. Viele Ausdauertrainingseinheiten werden mit einer Herzfrequenz von ungefähr 180 Schlägen pro Minute durchgeführt. Diese Trainingsintensität ist aber, ausgehend vom aerob-anaeroben übergang, meistens zu hoch. Die anaerobe Schwelle ist von Person zu Person unterschiedlich und liegt meist in einem Herzfrequenzbereich von 140 – 180 Schlägen pro Minute.

Gut trainierte Ausdauersportler haben eine niedrige Ruheherzfrequenz
Der Ruhepuls bei Untrainierten liegt zwischen 70 und 80 Schlägen pro Minute. Bei einer Verbesserung der Ausdauer wird die Ruheherzfrequenz allmählich niedriger. Bei Radfahrern oder Marathonläufern liegt sie bei 40 – 50 Schlägen pro Minute, bei Frauen etwa zehn Schläge höher.

Prinzip von Conconi

Professor Conconi war der Arzt, der den Radrennfahrer Francesco Moser während seines Versuchs begleitete, den Stundenweltrekord, den bisher Eddy Mercks gehalten hatte, zu verbessern. Er hat ebenso wie andere Untersucher in der Vergangenheit festgestellt, dass bei intensiver Belastung die Beziehung Herzfrequenz/Arbeitsintensität nicht mehr linear verläuft.

Bei höherer Arbeitsintensität zeigt die Kurve einen Knick. Die Arbeitsintensität kann noch gesteigert werden, aber die Herzfrequenz stagniert auf einer bestimmten Ebene. Dieser Punkt ist der Herzfrequenz-Umschlagpunkt. Die mit dieser Herzfrequenz zusammenhängende Belastung ist die maximale Arbeit, bei der die Energieversorgung noch völlig aerob abgesichert ist, also optimal ist. Auf diese Weise konnte Conconi genau angeben, mit welcher Geschwindigkeit Moser seinen Rekordversuch angehen musste, ohne frühzeitig erschöpft zu sein.

Wird die Belastung am Herzfrequenz-Umschlagpunkt überschritten, kommt es zu einem Anstieg der Milchsäurekonzentration. In dieser Situation kommt das aerobe Energielieferungssystem zu kurz, das heißt, es ist zu wenig Sauerstoff vorhanden, und das anaerobe System überwiegt mit konsekutivem Milchsäureanstieg. Man kann zur Bestimmung dieses Punktes natürlich auch die Milchsäurekonzentration im Blut messen. Dann spricht man von der „blutigen Bestimmung des Umschlagpunktes". Diese Belastungsintensität korrespondiert mit einem Milchsäuregehalt des Blutes von 4 mmol/L.

Bei Ausdauertraining verändert sich der Umschlagpunkt

Die wichtigste Veränderung, die sich nach einer Ausdauertrainingsperiode ergibt, ist eine Verschiebung des Umschlagpunktes in einen höheren Bereich. Bei gut trainierten Ausdauersportlern ist die Herzfrequenzstrecke, in der aerobe Energiebereitstellung stattfindet, stark vergrößert und der Umschlagpunkt steigt von 130 in einen Bereich um 180 Schläge pro Minute. Durch diese große aerobe Leistung kann eine Ausdauerbelastung lange und mit größerer Geschwindigkeit durchgehalten werden.