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Nährstoff-Hoch im Anzug

Die Zufuhr der Nährstoffe steigt im Winter an

Die Auswertung von aktuellen Einkommens- und Verbrauchsstichproben zeigt, dass die Zufuhr einiger Nährstoffe im Jahresverlauf erheblich schwankt.

Käsefondue im Sommer, Erdbeertörtchen im Winter? Passt irgendwie nicht. Erdbeeren sind zwar auch im Winter fester Bestandteil im Obst- und Gemüseregal der Händler geworden. Die Lebensmittelauswahl und damit die Zufuhr von Nährstoffen bestimmen aber meist andere Faktoren, beispielsweise Erntezeit, persönliche Einstellung und Preis.

Sommerzeit – Erdbeerzeit

Aktuelle Analysen der Technischen Universität München haben gezeigt, dass der durchschnittliche Verzehr von Makro- und Mikronährstoffen auffällige Abweichungen im Jahresverlauf zeigt. Viele Nährstoffe haben ein „Sommerloch“ – ihre Zufuhr ist in den Sommermonaten niedriger als in der kalten Jahreszeit. Eine Ausnahme stellen Vitamin C und Folate dar: Die Zufuhr an Vitamin C ist von Mai bis Juli sehr hoch – es ist die Erdbeer-Himbeer-Johannisbeer-Zeit. Ebenso ist die Aufnahme von Folsäure-Verbindungen von April bis Juli leicht überdurchschnittlich.

Die Zufuhr von Hauptnährstoffen, insbesondere von Fett, hat hingegen im August ein charakteristisches „Tief“, steigt aber von September bis Dezember kontinuierlich an. Damit einher geht die Kurve des fettlöslichen Vitamin D: Vitamin-D-haltige Lebensmittel werden üblicherweise von Dezember bis April reichlich konsumiert. Geringer sind die Schwankungsbreiten im Jahresverlauf beispielsweise beim Verzehr mehrfach ungesättigter Fettsäuren (MUFAs), noch deutlicher bei den einfach ungesättigten Fettsäuren (EUFAs).

Woher kommt das „Winter-Hoch“?

Der Konsum von Vitamin-D-haltigen Lebensmitteln wie fettreichem Fisch, Rührei, Pilzragout, Käsefondue und Rindsleber mag in den Sommermonaten traditionell niedriger sein als im Winter. Die Schwankung wird vermutlich durch die vermehrte Eigensynthese von Vitamin D in der Haut in den sonnenreichen Monaten kompensiert. Wie erklärt sich aber das sommerliche Tief bei den anderen Nährstoffen?

Ein möglicher Ansatz ist der Appetit. Sommernahrung enthält – sinnvollerweise – insgesamt weniger Fett und Protein. Dafür werden mehr Kohlenhydrate verzehrt als in der kalten Jahreszeit. Dann verlangen Temperatur und jahreszeitliche Traditionen „gehaltvolle" Gerichte und Backwaren wie Eintöpfe, Martinsgans oder Weihnachtsgebäck.

Konsequenzen für Beratung und Wissenschaft

Bei der Auswertung von Verzehrs- oder Ernährungsprotokollen einzelner Patienten muss beachtet werden, dass es sich um Momentaufnahmen handelt, die im jahreszeitlichen Zusammenhang zu betrachten sind. Ebenso sollte die saisonale Schwankung künftig bei der Analyse von Verzehrsstudien berücksichtigt werden.

Quelle: Deutsches Grünes Kreuz e.V.