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Gehbehinderung

Aus dem All in die Kinderklinik – Raumfahrtforschung hilft Kindern im Rollstuhl

Eine Reise ins All ist der Traum vieler Menschen. Die Vorstellung, schweben zu können, klingt erst einmal aufregend – doch die Realität sieht anders aus.

Wer lange der Schwerelosigkeit ausgesetzt ist, nutzt seine Beine genau so wenig wie Menschen, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind. Folgen der mangelnden Nutzung sind unter anderem Muskelschwund und eine Verringerung der Knochendichte. Dies sind Symptome, wie sie auch bei Osteoporosepatienten auftreten können.

Das Zentrum für Muskel- und Knochenforschung (ZMK) in Berlin lässt in Kooperation mit der ESA „Test-Astronauten“ mit dem Trainingsgerät Galileo trainieren, das mit Seiten wechselnden Vibrationen arbeitet. Die Ergebnisse der weltraummedizinischen BedRest-Stu belegen die Wirksamkeit eines solchen Trainings. Mit der Muskelkraft nimmt auch die Knochenmasse zu. Eine höhere Muskelkraft baut den Knochen auf. 20 Versuchsteilnehmer hatten während der achtwöchigen Studie strikte Bettruhe zu wahren. Nur sehr limitierte Bewegungen der Arme und Beine waren erlaubt, um die Schwerelosigkeit – wie bei Astronauten im Weltraum – möglichst realistisch zu simulieren.

Durch ein regelmäßiges Muskelvibrationstraining mit dem neuartigen „Galileo-System“ konnten Muskeln bei einem Teil der Probanden gezielt stimuliert werden. Ein einminütiges Training hatte – gemessen an der Anzahl an Muskelbewegungen – die Effizienz eines 10.000-Meter-Laufes.

Erhöhung der Knochenfestigkeit

In einer weiteren Studie an der Kinderklinik der Universität zu Köln wurde der „Galileo 2000“ als Trainingsgerät für Kinder und Jugendliche mit der Glasknochenkrankheit (Osteogenesis imperfecta) eingesetzt. Ziel der Studie war es, bei nicht-steh- bzw. nicht-gehfähigen Kindern mit Osteogenesis imperfecta über eine Verbesserung der muskulären Leistungsfähigkeit die Knochenfestigkeit zu steigern. 20 Kinder testeten das extra dafür umgebaute Trainingsgerät „Galileo“. Durch dieses intensive Training hat sich die Mobilität bei vielen der kleinen Patienten deutlich verbessert. Einige können jetzt von allein stehen oder benötigen weniger Hilfsmittel, um deutlich längere Strecken gehen zu können.

Das Forschungsprojekt, das die Behandlung wissenschaftlich begleitet, heißt „Auf die Beine“. Prof. Dr. med. Eckhard Schönau, sein Team und die medifitreha, das Praxiszentrum für Physiotherapie der Universitätsklinik Köln, haben herausgefunden, auf welche Weise sie ihren Patienten neue Perspektiven eröffnen können.

Die Universitätskinderklinik Köln und die medifitreha bieten seit Februar 2006 weltweit erstmalig Kindern und Jugendlichen im Rollstuhl ein neues Rehabilitationskonzept unter Einbeziehung des „Kölner Steh- und Gehtrainers – System Galileo“ an.

(Quelle: Deutsches Grünes Kreuz e.V.)