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Unterzucker

Merkzettel – Erste Hilfe bei Unterzuckerung von Diabetikern

Bei jedem Diabetiker besteht ständig die Gefahr der Unterzuckerung, egal, ob er seinen Blutzucker (BZ) mit Tabletten oder Insulinspritzen einstellt. Von Hypoglykämie (Unterzuckerung) spricht man, wenn der Blutzucker unter 45 mg/dl oder 2.5 mmol/l abgesunken ist. Jede Unterzuckerung stellt eine lebensgefährliche Situation dar.

Häufige Ursachen sind folgende:

  • Es wurde zuviel Insulin gespritzt
  • Die Wirkung der Zuckertabletten war zu stark
  • Es wurden zu wenige oder zu spät Kohlenhydrate gegessen
  • Zwischenmahlzeit vergessen
  • Zuviel ungewohnte Bewegung
  • Übermäßiger Alkoholkonsum, denn Alkohol kann auch noch nach zwölf Stunden zu sehr niedrigen Blutzuckerwerten führen
  • Wechselwirkung mit anderen Medikamenten
  • Mit zu niedrigem BZ-Wert ins Bett gegangen
  • Erbrechen oder Durchfall

Wie macht sich Unterzuckerung bemerkbar?

Das Gehirn merkt schon sehr früh, wenn zu wenig Zucker im Blut ist. Die Anzeichen sind bei jedem unterschiedlich. Meistens versucht der Körper zuerst mit Hilfe des Vegetativen Nervensystems gegenzusteuern.

Erste Symptome der Unterzuckerung:

  • Blässe
  • Schweißausbruch
  • Zittrigkeit
  • Herzklopfen
  • Angst und Druckgefühl
  • plötzlicher Heißhunger
  • Kribbeln in den Lippen

Fortgeschrittenes Stadium

Werden keine Gegenmaßnahmen eingeleitet und schreitet die Unterzuckerung somit weiter fort, dann kommt es zu einem manifesten Zuckermangel im Gehirn. Jetzt braucht der Diabetiker sofort schnelle Hilfe. Folgende Symptome deuten auf den fortgeschrittenen Zustand hin:

  • Kopfschmerzen
  • Nervosität
  • Konzentrationsstörungen
  • Gleichgewichtsstörungen, Schwindelzustände
  • Bewusstseinsstörung
  • Schläfrigkeit
  • Herzrasen, Muskelschwäche oder weiche Knie
  • Verwirrtheit, komische Gedanken
  • Wesensänderungen wie übertriebene Agressivität oder Albernheit
  • Sprachstörungen
  • Störungen im Bewegungsablauf
  • Sehstörungen wie z.B. Doppelbilder oder Augenflimmern
  • Krampfanfall
  • Bewußtlosigkeit

Sinnvolle Hilfe bei Unterzuckerung

Lieber einen höheren Blutzuckerwert durch fälschlich erkannte Unterzuckerung in Kauf nehmen, als eine schwere Unterzuckerung zu riskieren! Bei den ersten Anzeichen für den Verdacht auf eine Unterzuckerung:

Bei Unbekannten: Speziellen Hinweis wie Notfallausweis, Notfallkapsel, Armband mit Gravur oder Diabetikerausweis suchen oder Angehörige befragen, dann gegebenenfalls:

  • Sofort Traubenzucker oder zuckerhaltige Nahrungsmittel bzw. Getränke geben (z.B. drei Täfelchen Traubenzucker oder ein Glas Cola, zuckerhaltige Limonade (keine "light"-Getränke) oder Saft; fetthaltige Speisen wie Schokolade oder Milch verzögern die Aufnahme des Zuckers in die Blutbahn.
  • Bei Verdacht auf eine schwere Unterzuckerung und vorhandenem Bewußtsein: ein Stück Zucker zwischen Wange und Backenzähne gedrückt halten.
  • Bei Verschlechterung des Zustandes, bei Zeichen von Verwirrung und Aggressivität, bei Schluckschwierigkeiten oder bei Bewußtlosigkeit: Nichts zu essen oder zu trinken geben.
  • Bei Bewußtlosigkeit, aber vorhandener Atmung: stabile Seitenlage und Entfernung von Zahnprothesen oder Speiseresten aus dem Mund, Erstickungsgefahr droht!

In jedem Fall sollte der Notarzt gerufen werden!

Viele Angehörige von Insulin spritzenden Diabetikern sind darin geschult, bei schwerer Unterzuckerung auch Glukagon zu spritzen, welches den Blutzucker erhöht.