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Schnittwunden

Erste Hilfe bei Schnittwunden

Schnell hat man sich geschnitten. Meistens passiert es in der Küche, beim Sport oder bei Stürzen. Aber wie versorgt man eine Schnittwunde? Wie leistet man erste Hilfe bei schweren Schnittverletzungen? Was kann man falsch machen? Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Damit es zu keinen bleibenden Schäden kommen kann, sollte man sich zunächst Gedanken darüber machen, wie tief die Wunde ist. Sind möglicherweise größere Arterien, Nerven, Sehnen, Knochen oder gar wichtige Organe mit verletzt? Sie sollten auf jeden Fall zum Arzt gehen:

  • bei starken Blutungen
  • bei sehr ausgedehnten, großen, klaffenden oder tiefen Wunden
  • bei Wunden am Auge
  • wenn Fremdkörper oder Verunreinigungen in der Wunde sind (Achtung: Fremdkörper in der Wunde belassen, da es bei Entfernung zu starken Blutungen kommen kann!)
  • beim Auftreten von Anzeichen einer Wundinfektion (starke Rötung, zunehmende Schmerzen, zunehmende Schwellung, Eiter)
  • wenn Allgemeinsymptome wie Fieber, Schwäche, Schüttelfrost auftreten
  • wenn die letzte Tetanusimpfung schon mehr als fünf Jahre zurückliegt

Ärztliche Versorgung

Der Arzt kann dann die Wunde professionell reinigen, desinfizieren und eventuelle Begleitverletzungen mitversorgen. Erst hier werden Fremdkörper entfernt, denn nur der Arzt kann möglicherweise auftretende Blutungen stoppen. Wenn größere Gefäße, Nerven oder Sehnen verletzt sind, müssen diese genäht werden.

Klaffende Wunden können dann anschließend geklammert oder ebenfalls genäht werden. Verschmutzte oder infizierte Wunden werden zunächst offen behandelt und nicht genäht, um nicht das Wachstum von Bakterien in der Wundtiefe zu begünstigen.

Bei Gefahr einer Wundinfektion müssen manchmal Antibiotika eingenommen werden. Je nachdem, wie lang die letzte Tetanusimpfung zurückliegt, muss diese aufgefrischt werden, denn durch eine Wundinfektion mit dem sehr häufigen Tetanusbakterium kann es zum tödlichen Wundstarrkrampf kommen.

Was können Sie selbst tun?

Bei sehr schweren oder sogar spritzenden Blutungen muss umgehend der Notarzt gerufen werden. Bis zu seinem Eintreffen sollte die Wunde mit einer möglichst sterilen Kompresse mit der Faust komprimiert werden.

Achtung: Versuchen Sie niemals, den betroffenen Körperteil abzubinden, dies führt oft zu irreparablen Nervenschäden. Fremdkörper müssen auch unbedingt in der Wunde belassen werden, denn meistens fängt es erst beim Herausziehen an zu bluten.

Kleine Wunden können zunächst zu Hause behandelt werden:

  • Oberflächliche Wunden, die verschmutzt sind, gut ausbluten lassen. Dann können sie, wenn notwendig, mit klarem Wasser abgespült werden. Anschließend eine desinfizierende Lösung, wie Iodlösung oder PVP-Iod, auftragen und die Wunde mit einem Pflaster abdecken.
  • Größere Schürfwunden nicht abdecken. Am besten offen mit PVP-Iod-Salbe/ -lösung behandeln.
  • Kleinere, klaffende Wunden mit einem Pflaster oder Klammerpflaster zusammenziehen (die Narbe wird dann kleiner).
  • An schwer zu erreichenden und mechanisch belasteten Stellen Sprühpflaster verwenden (Achtung: nicht einatmen oder in die Augen sprühen).
  • Blutungen mit einer möglichst sterilen Kompresse abdecken und mit leichtem Druck mit einer Mullbinde oder mit Heftpflaster befestigen (Druckverband).
  • Bei empfindlicher Haut nur hautfreundliches Pflaster und Heftpflaster verwenden.
  • In der Heilungsphase, nachdem sich die Wunde geschlossen hat, kann die Heilung durch das Auftragen einer Wund- und Heilsalbe oder mit Kamillenextrakt beschleunigt werden.
  • Schlecht heilende Wunden mit PVP-Iod-Salbe behandeln. Häufig ist bakterielle Verunreinigung an der schlechten Wundheilung schuld.
  • Zur Verminderung der Narbenbildung: die entstehenden Narben eventuell mit speziellen Narbencemes geschmeidig halten und die Krusten nicht abkratzen.
  • Bei Kindern im Haus ist es immer ratsam, Verbandmaterial vorrätig zu haben. Dieses sollte zumindest sterile Pflaster, Kompressen, ein Desinfektionsmittel und eine Wundsalbe umfassen. Auch eine sterile Pinzette ist manchmal sehr hilfreich, um Dornen oder Splitter zu entfernen.

Vergessen Sie nicht, alle zehn Jahre die Tetanusimpfung auffrischen zu lassen!